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Weshalb diese Verbrechen? Die Christen lebten doch bereits seit Jahrhunderten im Osmanischen Reich. Wenn sie auch den muslimischen Staatsbürgern nicht gleichgestellt waren, so waren sie als sogenannte Dhimmis doch zumindest geduldet und genossen einen gewissen Schutz – solange sie ihren diskriminierenden Pflichten gewissenhaft nachkamen. Dazu gehörte beispielsweise die Zahlung einer Sondersteuer.
Die regierenden Jungtürken seien keineswegs religiöse Fanatiker gewesen, klärte Akçam auf. Viele seien im Westen ausgebildet worden und hätten sich als «Gesellschaftsplaner» gesehen. Sie nahmen die Christen als Bedrohung wahr. Die Großmächte, so Akçam, benutzten die Christen nämlich immer wieder als Vorwand, um ihre eigenen machtpolitischen Interessen gegenüber dem Osmanischen Reich durchzusetzen und sich in innere Angelegenheiten einzumischen. Dies verstärkte die Angst vor dem Zerfall des Osmanischen Reichs, die durchaus begründet war: Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor das Osmanische Reich 60 % seines Territoriums, im Oktober 1912 dann 80 % der europäischen Ländereien und fast 70 % seiner europäischen Bevölkerung, rechnete Akçam vor. «Deshalb begann man, die Politik einer ethnisch-religiösen Homogenität mit türkisch-muslimischer Identität zu verfolgen.» Ein richtiger Türke ist ein Muslim – diese Ansicht ist bis heute weit verbreitet und führt dazu, dass religiöse Minderheiten diskriminiert und häufig auch bedroht und verfolgt werden. |
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