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Türkei

Geographische Angaben

Fläche

779'452 km²
2,2 mal so groß wie Deutschland (357'023 km²)

Einwohner

66,2 Mio
(Deutschland: 82,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

85 Einwohner/km²
2,7 mal kleiner als in Deutschland (231)

Bruttosozialprodukt

3'289 EUR
9 mal tiefer als in Deutschland (30'628 EUR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  0.2%

Muslime

99%

Sonstige

  0.8%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Türkei 

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Hunderttausende getötet
Türkei weiss von nichts


Donnerstag, 30. August 2012

Im Rahmen der CSI-Veranstaltungsreihe sprach der türkische Historiker Taner Akçam über den Genozid von 1915 und seine Bedeutung heute.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren im Osmanischen Reich etwa 20 % der Bevölkerung christlich. Viele Christen lebten im Süd­osten der heutigen Türkei. Dort stellten sie in einigen Städten (zum Beispiel in Van) sogar die Mehrheit. Heute ist der Anteil der christlichen Bevölkerung auf weniger als 1 % geschrumpft.

Planmäßige Ausrottung

«In der Türkei gab es ein Massaker nach dem andern», sagte Taner Akçam. Er sprach auf Einladung von CSI im Juni über den Genozid im Osmanischen Reich von 1915 und stellte sein neues Buch zu diesem Thema vor (siehe Kasten). Akçam schätzt, dass von den etwa 17 Millionen Einwohnern Anatoliens ein Drittel von Deportationen und Massakern betroffen war.

Die planmäßige Beseitigung der Christen begann 1913 mit den Griechen: Diese wurden grösßtenteils nach Griechenland ausgeschifft. Mit Bulgarien und Serbien gab es eine Art «Tauschhandel»: Christen gegen Muslime. Zehntausende wurden so «umgetauscht». Schon bei diesen Maßnahmen kamen immer wieder Menschen ums Leben. Doch 1915 erreichte die systematische Vertreibungskampagne das Ausmaß eines Genozids: Nach Akçams Angaben kam über eine Million Armenier ums Leben. Unzählige armenische Kinder wurden von ihren Familien getrennt und als Pflegekinder (und Sklaven) türkischen Familien übergeben.

Die Gründe für den Genozid

Weshalb diese Verbrechen? Die Christen lebten doch bereits seit Jahrhunderten im Osmanischen Reich. Wenn sie auch den muslimischen Staatsbürgern nicht gleichgestellt waren, so waren sie als sogenannte Dhimmis doch zumindest geduldet und genossen einen gewissen Schutz – solange sie ihren diskriminierenden Pflichten gewissenhaft nachkamen. Dazu gehörte beispielsweise die Zahlung einer Sondersteuer.

Die regierenden Jungtürken seien keineswegs religiöse Fanatiker gewesen, klärte Akçam auf. Viele seien im Westen ausgebildet worden und hätten sich als «Gesellschaftsplaner» gesehen. Sie nahmen die Christen als Bedrohung wahr. Die Großmächte, so Akçam, benutzten die Christen nämlich immer wieder als Vorwand, um ihre eigenen machtpolitischen Interessen gegenüber dem Osmanischen Reich durchzusetzen und sich in innere Angelegenheiten einzumischen. Dies verstärkte die Angst vor dem Zerfall des Osmanischen Reichs, die durchaus begründet war: Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor das Osmanische Reich 60 % seines Territoriums, im Oktober 1912 dann 80 % der europäischen Ländereien und fast 70 % seiner europäischen Bevölkerung, rechnete Akçam vor. «Deshalb begann man, die Politik einer ethnisch-religiösen Homogenität mit türkisch-muslimischer Identität zu verfolgen.» Ein richtiger Türke ist ein Muslim – diese Ansicht ist bis heute weit verbreitet und führt dazu, dass religiöse Minderheiten diskriminiert und häufig auch bedroht und verfolgt werden.

Weshalb der Genozid geleugnet wird

Die offizielle Türkei weigert sich auch fast 100 Jahre später, den Genozid anzuerkennen – obwohl er wissenschaftlich unbestritten ist. Bei den Ermordeten handelt es sich nach offiziellen Verlautbarungen um «normale Kriegsopfer». Würde die Türkei den Genozid anerkennen, müsste sie ihre Gründerväter «als Mörder und Diebe» bezeichnen, begründete Akçam die türkische Weigerung. Zudem fürchte man Schadenersatzforderungen.

Die Anerkennung des Genozids könnte der Türkei aber die breite Akzeptanz verschaffen, die nötig ist, um ihren Anspruch, im Nahen Osten als Großmacht aufzutreten, zu erfüllen. Diesen Anspruch – eine Art "Neo-Osmanismus" – vertritt zum Beispiel Außenminister Ahmet Davutoğlu: Er will Gebiete in Syrien, Griechenland, Bulgarien und Georgien wieder in die Türkei eingliedern.

Autor: Adrian Hartmann

Veranstaltungsreihe

CSI startete im Frühjahr eine Veranstaltungsreihe zur Zukunft religiöser Minderheiten im Nahen Osten. Am 7. März 2012 sprach Daniel Pipes, am 6. Juni Taner Akçam und am 12. Juni Habib C. Malik.

Daniel Pipes  

Veranstaltungsreihe  http://www.formime.ch  
Videos  http://www.youtube.com/ChristSolidarInt 


Taner Akçam CSI


Taner Akçam wurde 1953 in der Provinz Ardahan im Nordosten der Türkei geboren. Er interessierte sich früh für politische Fragen. Als 23-Jähriger wurde er festgenommen und wegen seiner Tätigkeit als Chefredaktor einer politischen Studentenzeitung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Auf öffentlichen Druck hin liess man ihn ein Jahr später wieder frei. Er bekam in Deutschland Asyl. Heute wohnt und lehrt er in den USA. Er ist der erste türkische Historiker, der den Genozid öffentlich anerkannte.



 Turkey’s Human Rights Hypocrisy 
Artikel von_Taner_Akçam, 19.07.12



Akçams neues Buch


Akçams neues Buch
Taner Akçam stellte am CSI-Anlass auch sein Buch vor, das diesen Frühling erschienen ist: The Young Turks’ Crime against Humanity. The Armenian Genocide and Ethnic Cleansing in the Ottoman Empire. Akçam wertet zahlreiche Quellen aus türkischen Archiven aus, vor allem Telegramme des Innenministeriums an die Ortsbehörden in Anatolien (Osttürkei). Diese belegen es deutlich: Der Genozid wurde von den Behörden angeordnet.
Das Buch kann bei uns bestellt werden. (solange Vorrat)



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