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Nach über zwei Stunden erreichen wir unser Ziel: eine Lichtung mit einem großen Baum. Unter den weitausladenden, schattenspendenden Ästen eine Menschengruppe. Still und unsicher sitzen sie da und warten. Frauen jeden Alters, darunter viele Mütter mit Kleinkindern, aber auch ältere Kinder und junge Männer. In den letzten Wochen hatte der muslimische Rückführer Osman B., der sich seit Jahren für die Befreiung von Sklaven einsetzt, diese Gruppe langsam zusammengesammelt. Teils kaufte er Sklaven, teils arrangierte er Fluchten, teils nahm er Sklaven einfach mit. So wuchs die Gruppe auf rund 200 Personen an. Den Schutz des Buschlandes ausnutzend, führte er die befreiten Sklaven zurück in ihre Heimat.
Nicht alle haben verstanden, was hier geschieht. Die meisten halten den Blick gesenkt, wagen es nicht, uns anzuschauen. Freundlich spricht mein Kollege Dr. John Eibner die Menschen mit Hilfe unserer lokalen Übersetzer an. Er erklärt ihnen, dass sie befreit worden sind, fragt, wie sie auf dem Weg hierher vom Rückführer behandelt wurden. Osman sei sehr freundlich gewesen, ein guter Mensch, antworten sie überraschend laut. Die Befragung der Gruppe geht weiter. Fast die Hälfte der Frauen musste Kinder in der Sklaverei zurücklassen. Viele Menschen sind von körperlichen Misshandlungen gezeichnet und berichten von den Qualen, die sie durchlitten haben. Keiner hat jemals einen Arzt gesehen. CSI-Arzt Dr. Luka Deng beginnt sofort damit, Verletzte und Menschen mit Verdacht auf Malaria und andere akute Krankheiten auszusondern. In den nächsten Stunden wird er sein «Behandlungszimmer» unter einem Baum haben, einen Patienten nach dem anderen untersuchen und Medikamente verabreichen.
Das CSI-Team teilt sich auf. John und CSI-Freund Mike Gerson, ein Journalist der international renommierten Washington Post, lassen sich abseits der Gruppe mit einzelnen befreiten Sklaven nieder, um sie in ruhiger und geschützter Atmosphäre vertieft zu befragen. Gunnar Wiebalck geht an die Dokumentation der Befreiten. Vorgängig hatten unsere lokalen Mitarbeiter bereits die Eckdaten und das Schicksal aller Rückkehrenden mit einem standardisierten Fragebogen erfasst. Gunnar fotografiert nun jede zurückgekehrte Person, prüft die Fragebögen und schickt von Zeit zu Zeit weitere Personen zu Dr. Luka. Gunnars ruhige, den Menschen zugewandte Art trägt dazu bei, dass sie ihre Scheu nach und nach verlieren. Behutsam beginnt er, mit einzelnen zu kommunizieren, zu scherzen, mit den Kindern zu spielen, und bald tönt das Lachen von freien Menschen zu den anderen herüber. |
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