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Im Juni 2010 machten mich meine einheimischen Begleiter auf zwei uniformierte Polizeibeamte am Wegesrand aufmerksam. Einer von ihnen hielt sein Dienstgewehr in der Hand, der andere zwei russgeschwärzte Kochtöpfe. Mir wäre diese Szene gar nicht weiter aufgefallen. Doch dann erfuhr ich, dass die Polizei dazu übergegangen ist, Kochtöpfe und damit den wertvollsten Besitz der Ärmsten im Land zu konfiszieren. Betroffen sind Menschen, welche die sogenannte “Poll Tax”, eine Art Kopfsteuer, nicht zahlen können. Der Gouverneur in der Stadt Aweil verlangt von jedem einzelnen seiner Bürger, jährlich 25 Sudanesische Pfund (umgerechnet etwa 7,50 Euro) an die Staatskasse zu zahlen. Familien, denen der Kochtopf weggenommen wird, weil sie diesen Betrag nicht aufbringen können, sind in ihrer Existenz bedroht.
Im Bundesstaat Bahr-El-Ghazal war die mit unerbittlicher Härte eingetriebene “Poll Tax” eines der Hauptthemen der Wahlen vom April 2010. In keinem anderen der zehn südlichen Staaten ist den Bürgern diese willkürliche Steuer auferlegt. Für den Fall seiner Wahl hatte der Gegenkandidat des amtierenden Gouverneurs die Abschaffung der widerwärtigen Steuer angekündigt. Doch er hatte keine Chance, gewählt zu werden, kontrollierten doch bewaffnete Gefolgsleute des Amtsinhabers sämtliche Wahllokale. Nach dem überwältigenden “Wahlsieg” des alten Gouverneurs gehen staatliche Korruption und Ausbeutung weiter. Die Unsicherheit und Ungewissheit bleibt, politisches Gerangel, Ohnmacht sowie Machtansprüche kennzeichnen nach wie vor die Situation im Südsudan. Die Opfer sind die Ärmsten; also die, die ohnehin nichts besitzen. In ihrem alltäglichen Überlebenskampf sind sie immer wieder der menschenverachtenden Machtbesessenheit korrupter Politiker und Behörden ausgeliefert. Wenngleich die Polizei vereinzelt Kochtöpfe konfiszierte, so ist es wichtig, die in diese desolate Situation zurückkehrenden Sklaven mit dem Nötigsten auszurüsten. Dazu gehört auch ein Kochtopf. Ohne diesen hätten sie keine Chance, zu überleben. |
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