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Sudan 

Atak blieb Gott treu

“Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name”. Die Sklavin kann dieses Gebet immer noch auswendig hersagen, obwohl sie gerade aus der Hölle kommt.

Atak und ihr Kind mit CSI-Mitarbeiterin Cindy Castano CSI  

gw. Das schwarze Haar der jungen Mutter ist in unzählige kleine Zopfreihen geflochten, die zusammen mit den Streifen der dazwischen liegenden Kopfhaut vom Haaransatz oberhalb der Stirn in schnurgeraden Linien nach hinten laufen. Die Herstellung dieser im Südsudan typischen Frisurkreation muss viele Stunden, wenn nicht Tage gedauert haben. Doch Zeit gibt es hier im Überfluss, wenn zurückgekehrte Sklaven, wie die 18-jährige Atak Deng Bak, auf ihre Freilassung warten.

Jetzt sitzen wir vor der am Boden kauernden jungen Frau, die in lange bunte Stofffetzen gehüllt ist. Ganz unvermittelt blickt uns ein Baby an, das hinter einer Kleiderfalte verborgen war.

Atak wurde bereits als Kind versklavt

“Mein Name ist Atak, ich stamme aus Wathok”, sagt die junge Frau und zupft ihrem Kind eine Ameise vom T-Shirt. “Damals lebte ich mit meinen Eltern dort. Es war eine schöne Zeit, wir hatten genug zu essen, und jeden Sonntag gingen wir in die katholische Kirche.” Das ist nun schon viele Jahre her. Ob sie das Vaterunser noch auswendig weiss, fragen wir sie. Atak blickt auf den Boden und versucht sich zu erinnern. Erst stockend, dann immer schneller kommen die vertrauten Worte zurück. Dann berichtet sie vom schrecklichen Tag ihrer Gefangennahme, als die Welt um sie herum zusammenbrach. “Meine Mutter hatte mich zum Markt in Wathok geschickt, um Zucker zu kaufen. Plötzlich hörte ich Schüsse und sah überall fremde Männer, viele von ihnen auf Pferden.” Atak konnte nicht mehr flüchten. Nach kurzer Zeit war sie von einem der Angreifer an den Händen gefesselt und dann mit einem Seil auf einem Pferd festgebunden worden. “Ich bin mehrere Male heruntergefallen und wurde hinter dem Pferd hergeschleift”, erinnert sich Atak und zeigt uns zum Beweis die Narben an Knien, Beinen und Ellbogen. “Die Räuber haben auch noch viele andere Frauen und Kinder aus unserem Dorf weggeführt.” Als es dunkel wurde, banden die Sklavenjäger ihre Opfer an Bäumen fest. “Bereits in der ersten Nacht kam Mohammed Ibrahim zu mir, mein späterer Besitzer. Er band mich los, stieß mich ein Stück weit weg in ein Gebüsch und verging sich an mir, obwohl ich noch ein Kind war”. Als sie in der nordsudanesischen Ortschaft Daein eintrafen, entschied sich Mohammed, Atak zu behalten.

Schmutzige, dumme Sklavin

Für Atak folgten Jahre der Erniedrigung, harte Arbeit und immer neue Vergewaltigungen. Sie wurde nicht nur von Mohammed missbraucht, sondern auch von anderen Männern und sogar von Jugendlichen. Ihr Besitzer, der mit seiner eigenen Familie und seinen fünf Kindern häufig in Streit geriet, machte seinem Ärger Luft, indem er Atak als “schmutzige, dumme Sklavin” beleidigte. Als er einmal merkte, dass sie seinem Befehl, ihn “Vater” zu nennen, nur zögerlich nachkam, geriet er außer sich vor Wut und schlug auf sie ein. Von Mohammeds Frau Toma wurde Atak besser behandelt, nicht weil diese sie liebte, sondern weil sie sich so eine möglichst große Unterstützung bei Arbeiten im Haus erhoffte. Als Atak nach unzähligen Vergewaltigungen schwanger wurde, wollte Toma die Sklavin Atak loswerden. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes kam sie bei einer Rückführung von Sklaven in ihre Heimat zurück. “Ich habe meine Eltern seit langer Zeit nicht mehr gesehen”, sagte Atak. “Ich weiss nicht, ob sie noch am Leben sind, aber ich werde versuchen, sie wiederzufinden.”

“Mein Glaube gab mir Kraft”

Atak Deng erhält eine Wochenration Hirse CSI  

Wie alle freigelassenen Sklaven erhält auch Atak einen Überlebenssack, der ihr und ihrem Kind den Neustart in die Freiheit erleichtern wird. Zum ersten Mal sehen wir, wie sie lächelt.

Ob sie zum Abschied noch etwas sagen wolle, fragen wir. “Ja”, sagt die junge Mutter und drückt ihr Kind an sich. “Ich danke Gott, dass er mir geholfen hat, aus der Gewalt von Mohammed zu entkommen. Mein Glaube hat mir in der Gefangenschaft viel Kraft gegeben. Ich konnte mit niemandem darüber sprechen, aber ich bin Jesus in meinem Herzen treu geblieben”.

Obwohl wir schon Zehntausende von Sklaven in die Freiheit begleiten durften und viele von ihnen oft ähnliche Zeugnisse ablegen, sind wir jedes Mal vom Glauben und der Dankbarkeit der Befreiten beeindruckt.

Wir wollen die Arbeit fortsetzen, bis auch der letzte Sklave wieder in seine Heimat gelangt ist. Herzlichen Dank für Ihr treues Engagement.


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