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Pakistan

Geographische Angaben

Fläche

796'095 km²
2 mal so groß wie Deutschland (357'023 km²)

Einwohner

141,5 Mio
(Deutschland: 82,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

178 Einwohner/km²
(Deutschland: 231)

Bruttosozialprodukt

546 EUR
56 mal tiefer als in Deutschland (30'628 EUR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  2%

Muslime

96%

Hindus

  1.5%

Sonstige

  0.5%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Pakistan 

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Nach Freispruch Mord

In Pakistan sind Angehörige religiöser Minderheiten, die einmal wegen angeblicher “Gotteslästerung” angeklagt waren, dem mörderischen Zorn von Fundamentalisten schutzlos ausgeliefert. Selbst wenn sie durch Gerichte offiziell freigesprochen werden, halten radikal-islamische Kreise an den häufig frei erfundenen Vorwürfen fest und rufen zur Lynchjustiz auf.

Die zum Tode verurteilte Asia Bibi CD  

gw. Kann sich die Christin Asia Bibi über eine allfällige Begnadigung durch den pakistanischen Staatspräsidenten Asif Ali Zardani freuen? Zweifel sind angebracht, denn in dem islamischen Land werden viele Christen trotz Freisprüchen immer wieder Opfer von Lynchjustiz. Wenn es um die Beleidigung des Propheten Mohammed geht, sind es oft nicht ordentliche Strafgerichte, sondern fundamentalistische Prediger in den Moscheen, die das letzte Wort haben und radikale Moslems mit Berufung auf die “Scharia” gegen Christen aufhetzen.

Todesurteil für “schmutzige Christin”

Im Juni 2009 hatte Asia aus dem Dorfbrunnen von Ittan-wali Wasser geschöpft. Muslimische Frauen im Ort protestierten: Der Brunnen sei nun “haram”, d.h. “unrein”, weil ihn die “schmutzige Christin” angefasst habe. Die Angegriffene wehrte sich und sagte sinngemäß, Jesus sähe das anders als Mohammed. Eineinhalb Jahre lang saß die Christin daraufhin in Untersuchungshaft. Als es im November 2010 zum Prozess kam, sah der Richter die Gotteslästerung als erwiesen an und verurteilte sie zum Tod durch Erhängen. Asia Bibis Mann und ihre Kinder mussten nach Drohungen bei Verwandten in einem anderen Landesteil Zuflucht suchen.

“Gotteslästerer” sind in der Regel nicht sicher

Mitte November 2010 setzte sich Papst Benedikt XVI. für Asia Bibi ein. Er verfolge die Lage der Christen in Pakistan, die oft Opfer von Diskriminierung würden, “mit großer Sorge”. Das Oberhaupt der katholischen Kirche betonte seine Verbundenheit mit der Verurteilten und ihrer Familie. Ob die päpstliche Intervention Asia Bibi jedoch retten kann, muss bezweifelt werden: Vor den fundamentalistischen Imamen wäre sie selbst bei einer Freilassung nicht sicher. Sie werden erst dann Ruhe geben, wenn die “Gotteslästerin” tot ist.

Diese Einschätzung bestätigt sich immer wieder. So erregte im letzten Jahr ein tragischer Akt von Selbstjustiz in Faisalabad besonderes Aufsehen. Im Juli 2010 wurden die beiden Christen Rashid Emmanuel und Sajid Masih Emmanuel von radikalen Islamisten vor einem Gerichtsgebäude in Faisalabad erschossen. Der Staatsanwalt war mit seiner Anklage, die beiden hätten anti-islamische Sätze auf ein Stück Papier gekritzelt, nicht durchgedrungen. Doch die Imame akzeptierten den Freispruch nicht und hetzten über Lautsprecher gegen die angeblichen “Gotteslästerer”. Schnell sammelte sich eine zornige Volksmenge vor dem Gericht. Als Rashid und Sajid in Begleitung eines Polizeibeamten auf den Stufen vor dem Gebäude erschienen, eröffneten mehrere maskierte Personen das Feuer. Der Polizist wurde verletzt, die beiden Christen waren tot.

CSI bei Familien der Blasphemieopfer

CSI-Mitarbeiter intervenieren bei Minister Shahbaz Bhatti in Islamabad CSI  

CSI-Mitarbeiter besuchten Ende November 2010 Angehörige von Opfern der Blasphemiewillkür und überbrachten Weihnachtsgeschenke. Sie waren bei den Verwandten von Rehmat Masih, einem seit sechs Monaten inhaftierten 85-jährigen Christen. Um an ein Stück Land zu kommen, das Rehmat gehört, behaupteten zwei muslimische Brüder, der alte Mann habe sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert.

CSI war auch bei der Familie des wegen Blasphemie einsitzenden 25-jährigen Imran Ghafoor aus Faisalabad. Der Händler und Ladeninhaber hatte eines Morgens Abfall verbrannt und anschließend nichts ahnend sein Geschäft verlassen. Als er zurückkam, war eine aufgebrachte Menschenmenge vor seinem Geschäft versammelt. Als sie ihn sahen, schlugen sie auf ihn ein, ein paar kräftige Männer schleppten den überraschten Mann zur Polizeiwache. Dort erfuhr Imran, dass sein muslimischer Nachbar Haji Liaqat behauptet hatte, im verbrannten Abfall habe sich ein Schriftstück mit Koranversen befunden. Nachdem Imran dafür eine 25-jährige Gefängnisstrafe kassierte, steht seine Familie vor dem Nichts. Auch Imrans fünf Geschwister müssen um ihr Leben fürchten.

Den Familien von Opfern der Blasphemiewillkür zu begegnen, Anteil zu nehmen und ihnen materielle Hilfe zu bringen, ist sehr wichtig. Wir wollen uns in Zukunft vermehrt für die Opfer religiöser Willkür in Pakistan einsetzen. Bereits im letzten Jahr sind wir beim zuständigen Minister für religiöse Minderheiten in Islamabad vorstellig geworden und haben unsere tiefe Sorge über die massiven Menschenrechtsverletzungen und den mangelnden Schutz für Angehörige von religiösen Minderheiten in Pakistan zum Ausdruck gebracht.


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