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Irak

Geographische Angaben

Fläche

438'317 km²
(Deutschland: 357'023 km²)

Einwohner

23,8 Mio
3 mal weniger als in Deutschland (82,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

54 Einwohner/km²
4 mal kleiner als in Deutschland (231)

Bruttosozialprodukt

3'868 EUR
8 mal tiefer als in Deutschland (30'628 EUR)

Religionsangehörigkeit

Christen

  4%

Muslime

95%

Sonstige

  1%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Irak 

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Kein Lebensrecht für Minderheiten

Die Gewalt gegen Christen und andere Minderheiten im Irak hat viele Ursachen. CSI leistet humanitäre Hilfe und hilft bei der Suche nach Wegen aus der Krise.

Winterjacken für Waisenkinder in El Kosh CSI  

gw. Am 27. November 2009 haben sie in Mosul wieder zugeschlagen: Terroristen sprengten Teile des Sankt-Theresa-Klosters der Dominikanerschwestern mit einer Haftmine in die Luft. Am gleichen Tag explodierte eine Bombe neben der chaldäischen St.-Ephrem-Kirche und verursachte größere Schäden am Gebäude. Im Herbst 2008 waren in Mosul 40 Christen gezielt ermordet worden, was zu einem Exodus aus der Stadt führte.

Kurden auf dem Vormarsch

Im Nordirak ist die kurdische Regierung von Masoud Barzani mitverantwortlich für die Gewalt und die grassierende Rechtsunsicherheit. Mit Straßensperren, willkürlichen Verhaftungen, Zensur und Grenzmanipulationen kontrolliert die Regierung nicht-kurdische Minderheiten wie Christen, Schabaks und Jessidis und dehnt Einflussbereich und Territorium systematisch aus. Tahar Boumedra, Leiter der UN-Sektion für Menschenrechte in Bagdad: “Die kurdischen Milizen nehmen Regimegegner gefangen und halten sie ohne Gerichtsverfahren fest. Sie manipulieren Wahlergebnisse, sie verhindern gewaltsam, dass Flüchtlinge in ihre alten Häuser zurückkehren. Solange die Grenzen von Kurdistan nicht feststehen, kommt diese Gegend nicht zur Ruhe”.

Eine Milliarde Dollar versickert?

Der Irak ist wegen seiner riesigen Ölreserven eigentlich ein reiches Land. Dazu kommen Zahlungen von Aufbauhilfen aus dem Ausland. Alleine die USA setzten in den letzten zwei Jahren fast eine Milliarde Dollar für Vertriebene ein. Doch in den Christendörfern der Ninive-Ebene im Nordirak, in die sich viele der Flüchtlinge gerettet haben, ist von diesen Geldquellen nichts zu sehen. Strom gibt es hier höchstens zwei Stunden am Tag, kommunale Dienste wie zum Beispiel die Müllabfuhr funktionieren überhaupt nicht, Abwassergestank weht durch die Gassen. Mitten in diesem Elend stehen nagelneue Kirchenbauten, steingewordene Beweise, dass viele Kirchenführer den Verlockungen der von den Kurden offerierten Korruptionsgelder erlegen sind. Fatal: Die Korruption verursacht zusätzlich Spannungen in Kirchgemeinden.

750 Wintermäntel für Terroropfer

Im November 2009 brachte CSI erneut Hilfslieferungen zu bedürftigen christlichen Familien. John Eibner und Gunnar Wiebalck verteilten zusammen mit der irakischen Menschenrechtsorganisation Hamorabi 750 Wintermäntel und Lebensmittelpakete an Familien, Waisenkinder und Opfer des Terrorismus. Eine der Empfänger war Linda Issa, deren Mann Rayan Nafat am 10. September 2008 in Mosul getötet wurde. Er wurde das Opfer eines Mordanschlags zehn Tage nach dem Mord an seinem Vater. “Er hatte keine Feinde”, berichtete uns Linda, “er arbeitete in einem Fahrradgeschäft. Er war sehr geschickt, er reparierte alles, was ihm die Leute brachten.” Lindas Kinder bemerkten am Todestag ihres Vaters einen jungen Mann, der sich als Polizeibeamter in Zivil ausgab und Rayans Ausweispapiere verlangte. “Als er sah, dass mein Mann Christ war, erschoss er ihn.” Die Brüder des Ermordeten trugen den Sarg, niemand sonst wagte es, zur Beerdigung zu kommen. Linda flüchtete noch am selben Tag mit ihren drei Kindern nach Karakosh und lebt heute in einem winzigen Appartement. In der Mitte des kahlen Raums flackert ein Kerosinofen, an der Wand hängen die Bilder der Toten: Vater und Sohn.

CSI-Konferenz in Bagdad

CSI-Konferenzteilnehmer CSI  

Sechsmal sind CSI-Mitarbeiter in den letzten zwei Jahren in den Irak gereist. Sie haben nicht nur Hilfsgüter verteilt, sondern die Situation der Christen in der Ebene von Ninive ausführlich untersucht. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres organisierte CSI im Bagdader al-Mansour-Hotel eine Konferenz christlicher Kirchenführer. Die Schirmherrschaft hatte Iraks Vizepräsident Adel Abdul Mahdi übernommen.

Die zweitägige Konferenz, an der auch Vertreter der Uno teilnahmen, beleuchtete die dramatische Situation der christlichen und anderen Minoritäten des Landes. Sie analysierte die Gründe für das Versickern von Milliarden von Hilfsgeldern sowie das Versagen politischer Instanzen innerhalb und außerhalb des Irak und erarbeitete mögliche Auswege aus der Krise. Das Ziel der Bemühungen ist es, einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt ihre Heimat zu sichern und diese wieder lebenswert für alle zu machen.


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