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Offener Tag von CSI-Schweiz 

Christen im Nahen Osten droht die Ausrottung


Montag, 24. Oktober 2011

Am Samstag, 15. Oktober 2011, lud CSI zum Offenen Tag. Über hundert Besucher/-innen ließen sich über die Situation der Christen in Ägypten, im Irak und im Sudan informieren.

CSI-Präsident Herbert Meier CSI  

 
Herbert Meier, internationaler Präsident von CSI, stellte in seiner Begrüßungsrede unser zweites Hauptprojekt – nach der Sklavenbefreiung im Südsudan – vor: Wir wollen Christen im Nahen und Mittleren Osten vor der Ausrottung bewahren. „In keinem einzigen mehrheitlich muslimischen Land der Erde ist Religionsfreiheit voll gewährleistet. In jedem islamischen Staat gibt es Diskriminierung von Andersgläubigen“, hielt Herbert Meier fest.

"Unsere einzige Waffe ist die Solidarität"

Pascale Warda, Gunnar Wiebalck CSI  

Pascale Warda, ehemalige Ministerin der irakischen Übergangsregierung, stimmte ein wahres Loblied auf CSI an: Ohne CSI wäre es ihr – sie leitet die irakische Hammurabi Menschenrechtsorganisation, mit der CSI zusammenarbeitet – nie möglich gewesen, auf die Hilferufe einer so großen Zahl von Opfern einzugehen. „Die Botschaft, die Sie bringen, ist nicht nur eine materielle, sondern auch eine moralische: eine moralische Botschaft, die Hoffnung bringt.“

Sie erzählte von Farah, dem schwerverletzten Opfer eines Busattentats, die nach zahlreichen Operationen jetzt eine Prothese erhält, und von 77 Familien, die Angehörige verloren hatten und auf der letzten Reise CSI-Hilfe erhielten. Als Anerkennung überreichte Warda CSI den Hammurabi-Kodex, einen der ältesten Gesetzestexte aus dem Irak, nach dem ihre Menschenrechtsorganisation benannt ist.

Pascale Warda, ehemalige Ministerin CSI  

 
Sie wandte sich gegen Einwände, die ihr auf politischer Ebene vorgehalten wurden, wonach Christen nicht die einzigen Opfer seien. Natürlich, räumte Warda ein, seien viele unschuldige Muslime ebenfalls Opfer. Aber da seien oft Macht und Geld im Spiel. Christen hätten dagegen keinen Machtanspruch, sie seien viel zu wenige. Dennoch wurden gerade in den letzten Monaten wieder Christen getötet. Andere werden bedroht: Terroristen bedrängten sie, das Land zu verlassen, weil sie Ungläubige seien.

Warda rief zu fortwährender Solidarität auf: " Sogar Nichtchristen erkennen heute, dass Solidarität eine große Macht ist. […] Solidarität ist die einzige Waffe der Christen, um gegen die Verfolgung zu kämpfen, die wir heute im Irak erleben.“ Mit Solidarität könne man Situationen verändern, verkündete Warda hoffnungsvoll.

"Die Salafisten haben Pläne, wie sie die Kopten loswerden können"

Dreißig hübsche junge Frauen, viele von ihnen 18-jährig, einige älter. Die Jüngste ist erst 14 Jahre alt. Jean Maher, Präsident des französischen Zweigs der Ägyptischen Union für Menschenrechte, hat die Passfotos dieser dreißig Frauen stellvertretend für viele weitere, ausgewählt und mitgebracht. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wurden entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und mussten zum Islam konvertieren:

Maher erzählte die Geschichte von Engy Adel: Sie wurde als 12-Jährige betäubt und entführt. Ihre Entführer schlugen sie tagelang und ließen sie nicht schlafen. In einem einzigen Monat wurde sie von über 50 Männern vergewaltigt. Die Männer hätten sie behandelt, als wollten sie sie in Stücke reißen. Sie hätten sie voller Hass angeschaut, als wäre sie ihre Feindin! Nachdem ihr Vater sie befreien konnte, lud die Polizei sie vor. Unter Schlägen wollten die Polizisten ein "Geständnis" erzwingen, dass sie die Familie freiwillig verlassen habe und nie vergewaltigt worden sei. Während sie das alles erzählte, weinte Engy Adel immer wieder: "Warum das alles? Nur weil ich eine Christin bin."

"Die Salafisten haben strategische Pläne, wie sie die Kopten loswerden können", erklärte Jean Maher. "Eines ihrer schrecklichen Mittel ist die Entführung von jungen Koptinnen." Die Täter seien davon überzeugt, für Allah etwas Gutes zu tun: "Sie bringen eine ungläubige Frau zum Islam. Damit sinkt die Zahl der Kopten und die Zahl der Muslime steigt, zumal nach Gesetz die Kinder der Religion des Vaters angehören." Die Gewalttäter würden oft von der Polizei geschützt (wie oben). Oft verdienten sie sogar daran: "Ein Mädchen kann bis zu 50 000 Euro einbringen", klärte Maher auf. Das Geld stamme aus den Golfstaaten.

Jean Maher und CSI-Geschäftsführer Benjamin Doberstein CSI  

"Angreifen, marginalisieren und demütigen"

Jean Maher nannte viele Beispiele, wie Kopt(inn)en an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Auch das sei Verfolgung.

Junge Koptinnen werden entführt.

Kirchen werden zerstört.

Einsame Mönche in der Wüste werden angegriffen.

Kopten dürfen weder Präsident noch Minister werden.

Kopten werden von der Politik ferngehalten:
von 444 Abgeordneten sind nur zwei Kopten.

Kopten verschwinden aus hohen Rängen in Militär,
Polizei und Geheimdienst.

Kopten dürfen nicht Gynäkologie studieren, da ein
Christ nicht sehen darf, wie eine Muslimin gebiert.

Christliche Schülerinnen werden gezwungen, den
Schleier zu tragen, und wer das nicht tut, dem wird
Säure ins Gesicht geworfen.

In einem einzigen Monat wurden 400 000 Schweine
getötet.

Um die Toilette in einer Kirche reparieren zu dürfen,
muss die Bewilligung des Gouverneurs eingeholt werden.

Um eine Kirche bauen zu dürfen, muss die Erlaubnis
des Präsidenten eingeholt werden – das daure "nur"
20 Jahre, falls man die Baubewilligung überhaupt
erhalte.

Westlich oder koptisch klingende Straßennamen
werden islamisiert.

Wer Straftaten gegen Kopten begeht, wird nicht vor
Gericht gebracht.

Gewalt gegen Kopten eskaliert nach Revolution

Mit dem Rücktritt Hosni Mubaraks habe sich die Lage der Kopten keineswegs verbessert, im Gegenteil: Die Entführung der Mädchen habe stark zugenommen.

Der Kopte Jean Maher aus Frankreich CSI  

Drei Kirchen wurden zerstört, ohne dass jemand verhaftet wurde. Soldaten und Polizisten schauten zu. Es war die Armee, die das Kloster Wadi el Natroun angriff. Und es war auch die Armee, die am 9. Oktober mit gepanzerten Fahrzeugen mitten in friedlich Demonstrierende fuhr. Über zwei Dutzend wurden getötet, hunderte verletzt – und das vom Staat! Dabei habe der Feldmarschall Hussein Tantawi, der Kopf des Militärrats, während der Januar-Revolution stolz gesagt: "Die Armee wird die Demonstranten nie angreifen." Er habe vergessen zu sagen, so Maher zynisch, "es sei denn, die Demonstrierenden sind Kopten".

Die Islamisten erhielten große Macht. Im April protestierten sie tagelang gegen die Ernennung eines christlichen Gouverneurs und legten den Straßen- und Schienenverkehr lahm. Sie erreichten ihr Ziel: Der Christ musste einem muslimischen Gouverneur weichen. Im Mai griffen Salafisten eine Kirche in Kairo an. Sie behaupteten, die Kopten hätten darin eine Frau eingesperrt, die zum Islam konvertiert sei.

"Zuerst die Verfassung!"

Maher warf den Muslimbrüdern und den Salafisten vor, sie hätten die Revolution an sich gerissen. Die Forderung der ursprünglichen Revolutionäre – "der muslimischen Liberalen, der revolutionären Facebook-Jugend, der Kopten und der Frauen" – sei nämlich gewesen: "zuerst die Verfassung". Die Islamisten drängten nun aber auf schnelle Wahlen. Aus diesen würden nämlich sie als Sieger hervorgehen. Maher verglich die Situation mit Gaza: Hier sei in demokratischen und international überwachten Wahlen die radikale Hamas an die Macht gekommen. Dieses Szenario könnte sich in Ägypten wiederholen.

Um dies zu verhindern, müsste der Militärrat unbedingt vor den Wahlen eine Kommission einberufen, die eine neue Verfassung ausarbeitet. Darin müsse zwingend die Trennung von Staat und Religion festgehalten werden, nur so sei Religionsfreiheit möglich. Wie es heute scheint, will der Militärrat aber am bisherigen Zeitplan festhalten und am 28. November 2011 wählen lassen. Erst danach soll eine neue Verfassung erarbeitet werden. Maher blieb nur noch der Appell zum Gebet: "Lasst uns für Ägyptens Zukunft beten, für die Christen, für die liberalen guten Muslime, für Frieden im Nahen Osten und letztlich auch für den Frieden in der ganzen Welt. Lasst uns hoffen, dass die Führer der freien Länder in dieser Welt agieren, statt zu reagieren. Dass sie handeln, bevor es zu spät ist.“

Als 9-jähriger versklavt

Obwohl unser neues Hauptprojekt (Christen im Nahen und Mittleren Osten vor der Ausrottung bewahren) klar im Vordergrund stand, hatten wir auch einen Referenten aus unserem zweiten Hauptprojekt eingeladen: Simon Deng aus dem Südsudan, ein ehemaliger Sklave. Als er aus der Sklaverei freigekommen sei, habe er sich entschlossen, nie davon zu berichten, was passiert sei. Nach Jahren begann er diesen Entscheid zu hinterfragen: "Wie kann ich schweigen, wenn weiterhin Leute für 10 Dollar versklavt werden?"

Südsudanese Simon Deng, ehemaliger Sklave CSI  

Simon Deng wurde als 9-Jähriger von seiner Familie getrennt und in den Norden verschleppt. "Es gab niemanden, der danach seine Stimme für mich erhoben hätte. Ich hatte keinen einzigen Freund damals. Meine einzigen Freunde waren meine Hoffnung und meine Geduld. Die Hoffnung, dass ich einmal freikomme.“ Ein Araber gab ihn als Geschenk an einen anderen Araber weiter. Als 9-Jähriger musste er Wasser vom Nil holen – eine Arbeit, die sonst Esel übernähmen. Reagierte er einmal nicht unverzüglich, wurde er geschlagen. Auch die Kinder des Sklavenhalters hänselten und schlugen ihn. Wehren durfte er sich nicht.

Später zog sein Sklavenhalter mit seiner Familie in die Stadt, weil ein Sohn dort studieren sollte. Hier traf Simon Deng Südsudanesen aus seinem Stamm. Mit ihrer Hilfe kam er schließlich frei und konnte zu seinen Eltern zurückkehren. Diese hatten ihn bereits für tot gehalten. Sie hatten nämlich erfolglos eine Belohnung von 10 Kühen ausgesetzt – ein Vermögen!

"Heute war es ganz besonders eindrücklich"

Offener Tag von CSI in Zürich CSI  

Wir freuten uns sehr, dass der Offene Tag auf so großes Interesse stieß. In Gesprächen mit CSI-Mitarbeitern äußerten sich viele Besucher/-innen sehr positiv.

 
 
"Es ist toll, dass es immer noch Leute gibt, die sich einsetzen, die immer wieder gehen, trotz eventueller Rückschläge."

Erika Eichenberger, Greifensee

 
"Ich finde die Arbeit, die Sie machen, großartig. Ich bin nicht das erste Mal in diesem Kreis. […] Aber heute war es ganz besonders eindrücklich mit all den Vorträgen und Zeugnissen. Vielen Dank."

Sven Schelling, Gossau ZH

 
"Ich habe interessante Sachen erfahren. Ich war sehr ermutigt, zu sehen, wie Menschen, die schwierige Situationen erleben, trotzdem den Glauben behalten. Ich danke dem Herrn für alles, was Er macht."

Étienne Michoud, Neuchâtel/Zürich

"Es war sehr informativ und ich finde es wichtig, dass man so etwas macht. Ich finde es wichtig, dass so etwas einmal thematisiert wird und man sollte es viel stärker publik machen. Nicht nur in den christlichen Kreisen, sondern hinausgehen, damit das allgemein ein Thema wird, damit die Leute aufgeweckt werden."

Rosmarie Schärer, Zumikon

Was mir bewusst wurde, ist, wie drängend die Christenverfolgungen sind und wie stark wir uns einsetzen müssen für Religionsfreiheit. Schön fand ich, dass die Referentin aus dem Irak ein Souvenir mit dem Codex Hammurabi mitgebracht hat, einem der weltweit ältesten erhaltenen Gesetzeswerke. Er ist ein erstes Zeugnis von Rechtsstaatlichkeit. Und wenn wir einmal Rechtsstaatlichkeit haben, dann haben wir schon den ersten Schritt zu religiöser Toleranz getan.

Ernst Danner, Zürich

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Herbert Meier: Auftrag und Arbeitsweise von CSI  

Rede von Pascale Warda (Englisch)  

Rede von Jean Maher (Englisch)  

Handout von Jean Maher (Englisch)  


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