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Am Samstag, 15. Oktober 2011, lud CSI zum Offenen Tag. Über hundert Besucher/-innen ließen sich über die Situation der Christen in Ägypten, im Irak und im Sudan informieren. |
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"Unsere einzige Waffe ist die Solidarität" |
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Pascale Warda, ehemalige Ministerin der irakischen Übergangsregierung, stimmte ein wahres Loblied auf CSI an: Ohne CSI wäre es ihr – sie leitet die irakische Hammurabi Menschenrechtsorganisation, mit der CSI zusammenarbeitet – nie möglich gewesen, auf die Hilferufe einer so großen Zahl von Opfern einzugehen. „Die Botschaft, die Sie bringen, ist nicht nur eine materielle, sondern auch eine moralische: eine moralische Botschaft, die Hoffnung bringt.“ |
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Sie erzählte von Farah, dem schwerverletzten Opfer eines Busattentats, die nach zahlreichen Operationen jetzt eine Prothese erhält, und von 77 Familien, die Angehörige verloren hatten und auf der letzten Reise CSI-Hilfe erhielten. Als Anerkennung überreichte Warda CSI den Hammurabi-Kodex, einen der ältesten Gesetzestexte aus dem Irak, nach dem ihre Menschenrechtsorganisation benannt ist. |
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Warda rief zu fortwährender Solidarität auf: " Sogar Nichtchristen erkennen heute, dass Solidarität eine große Macht ist. […] Solidarität ist die einzige Waffe der Christen, um gegen die Verfolgung zu kämpfen, die wir heute im Irak erleben.“ Mit Solidarität könne man Situationen verändern, verkündete Warda hoffnungsvoll. |
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"Die Salafisten haben Pläne, wie sie die Kopten loswerden können" |
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Dreißig hübsche junge Frauen, viele von ihnen 18-jährig, einige älter. Die Jüngste ist erst 14 Jahre alt. Jean Maher, Präsident des französischen Zweigs der Ägyptischen Union für Menschenrechte, hat die Passfotos dieser dreißig Frauen stellvertretend für viele weitere, ausgewählt und mitgebracht. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wurden entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und mussten zum Islam konvertieren: |
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Maher erzählte die Geschichte von Engy Adel: Sie wurde als 12-Jährige betäubt und entführt. Ihre Entführer schlugen sie tagelang und ließen sie nicht schlafen. In einem einzigen Monat wurde sie von über 50 Männern vergewaltigt. Die Männer hätten sie behandelt, als wollten sie sie in Stücke reißen. Sie hätten sie voller Hass angeschaut, als wäre sie ihre Feindin! Nachdem ihr Vater sie befreien konnte, lud die Polizei sie vor. Unter Schlägen wollten die Polizisten ein "Geständnis" erzwingen, dass sie die Familie freiwillig verlassen habe und nie vergewaltigt worden sei. Während sie das alles erzählte, weinte Engy Adel immer wieder: "Warum das alles? Nur weil ich eine Christin bin."
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Jean Maher und CSI-Geschäftsführer Benjamin Doberstein CSI |
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"Angreifen, marginalisieren und demütigen" |
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Jean Maher nannte viele Beispiele, wie Kopt(inn)en an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Auch das sei Verfolgung. |
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Gewalt gegen Kopten eskaliert nach Revolution |
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Mit dem Rücktritt Hosni Mubaraks habe sich die Lage der Kopten keineswegs verbessert, im Gegenteil: Die Entführung der Mädchen habe stark zugenommen. |
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Drei Kirchen wurden zerstört, ohne dass jemand verhaftet wurde. Soldaten und Polizisten schauten zu. Es war die Armee, die das Kloster Wadi el Natroun angriff. Und es war auch die Armee, die am 9. Oktober mit gepanzerten Fahrzeugen mitten in friedlich Demonstrierende fuhr. Über zwei Dutzend wurden getötet, hunderte verletzt – und das vom Staat! Dabei habe der Feldmarschall Hussein Tantawi, der Kopf des Militärrats, während der Januar-Revolution stolz gesagt: "Die Armee wird die Demonstranten nie angreifen." Er habe vergessen zu sagen, so Maher zynisch, "es sei denn, die Demonstrierenden sind Kopten". |
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Die Islamisten erhielten große Macht. Im April protestierten sie tagelang gegen die Ernennung eines christlichen Gouverneurs und legten den Straßen- und Schienenverkehr lahm. Sie erreichten ihr Ziel: Der Christ musste einem muslimischen Gouverneur weichen. Im Mai griffen Salafisten eine Kirche in Kairo an. Sie behaupteten, die Kopten hätten darin eine Frau eingesperrt, die zum Islam konvertiert sei. |
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"Zuerst die Verfassung!" |
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Maher warf den Muslimbrüdern und den Salafisten vor, sie hätten die Revolution an sich gerissen. Die Forderung der ursprünglichen Revolutionäre – "der muslimischen Liberalen, der revolutionären Facebook-Jugend, der Kopten und der Frauen" – sei nämlich gewesen: "zuerst die Verfassung". Die Islamisten drängten nun aber auf schnelle Wahlen. Aus diesen würden nämlich sie als Sieger hervorgehen. Maher verglich die Situation mit Gaza: Hier sei in demokratischen und international überwachten Wahlen die radikale Hamas an die Macht gekommen. Dieses Szenario könnte sich in Ägypten wiederholen.
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Als 9-jähriger versklavt |
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Obwohl unser neues Hauptprojekt (Christen im Nahen und Mittleren Osten vor der Ausrottung bewahren) klar im Vordergrund stand, hatten wir auch einen Referenten aus unserem zweiten Hauptprojekt eingeladen: Simon Deng aus dem Südsudan, ein ehemaliger Sklave. Als er aus der Sklaverei freigekommen sei, habe er sich entschlossen, nie davon zu berichten, was passiert sei. Nach Jahren begann er diesen Entscheid zu hinterfragen: "Wie kann ich schweigen, wenn weiterhin Leute für 10 Dollar versklavt werden?" |
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Simon Deng wurde als 9-Jähriger von seiner Familie getrennt und in den Norden verschleppt. "Es gab niemanden, der danach seine Stimme für mich erhoben hätte. Ich hatte keinen einzigen Freund damals. Meine einzigen Freunde waren meine Hoffnung und meine Geduld. Die Hoffnung, dass ich einmal freikomme.“ Ein Araber gab ihn als Geschenk an einen anderen Araber weiter. Als 9-Jähriger musste er Wasser vom Nil holen – eine Arbeit, die sonst Esel übernähmen. Reagierte er einmal nicht unverzüglich, wurde er geschlagen. Auch die Kinder des Sklavenhalters hänselten und schlugen ihn. Wehren durfte er sich nicht.
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Später zog sein Sklavenhalter mit seiner Familie in die Stadt, weil ein Sohn dort studieren sollte. Hier traf Simon Deng Südsudanesen aus seinem Stamm. Mit ihrer Hilfe kam er schließlich frei und konnte zu seinen Eltern zurückkehren. Diese hatten ihn bereits für tot gehalten. Sie hatten nämlich erfolglos eine Belohnung von 10 Kühen ausgesetzt – ein Vermögen! |
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"Heute war es ganz besonders eindrücklich" |
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Offener Tag von CSI in Zürich CSI |
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Wir freuten uns sehr, dass der Offene Tag auf so großes Interesse stieß. In Gesprächen mit CSI-Mitarbeitern äußerten sich viele Besucher/-innen sehr positiv. |
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"Es war sehr informativ und ich finde es wichtig, dass man so etwas macht. Ich finde es wichtig, dass so etwas einmal thematisiert wird und man sollte es viel stärker publik machen. Nicht nur in den christlichen Kreisen, sondern hinausgehen, damit das allgemein ein Thema wird, damit die Leute aufgeweckt werden."
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Was mir bewusst wurde, ist, wie drängend die Christenverfolgungen sind und wie stark wir uns einsetzen müssen für Religionsfreiheit. Schön fand ich, dass die Referentin aus dem Irak ein Souvenir mit dem Codex Hammurabi mitgebracht hat, einem der weltweit ältesten erhaltenen Gesetzeswerke. Er ist ein erstes Zeugnis von Rechtsstaatlichkeit. Und wenn wir einmal Rechtsstaatlichkeit haben, dann haben wir schon den ersten Schritt zu religiöser Toleranz getan.
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