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Südsudan

Geographische Angaben

Fläche

619'745 km²
(Deutschland: 357'023 km²)

Einwohner

10,8 Mio
8 mal weniger als in Deutschland (82,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

17 Einwohner/km²
13 mal kleiner als in Deutschland (231)

Bruttosozialprodukt

1'279 EUR
24 mal tiefer als in Deutschland (30'628 EUR)

Religionsangehörigkeit

Christen

60.9%

     Katholiken

34%

     Protestanten

10.9%

     Anglikaner

15%

     andere Christen

  1%

Muslime

  6.2%

Naturreligionen

32.9%

Südsudan 

Land-Info 

Angst verloren, Vertrauen gewonnen


Donnerstag, 30. August 2012

Der Anblick war schwer zu ertragen: Todernst und mit verweinten Augen blickten uns die beiden Brüder an. Das war 2006. Kürzlich haben wir den jüngeren der beiden wieder getroffen.

Tuc heute mit CSI-Projektleiter Gunnar Wiebalck; links Pfarrer Tito, rechts Angelo Marac CSI  

Ist das wirklich Tuc? Der Junge spielt fröhlich mit einem Ballon und scheint überhaupt keine Angst vor uns «kawajas», weißen Leuten, zu haben. Wir staunen. Im Oktober 2006 hatten wir ihn unter ganz anderen Umständen angetroffen.

Erste Begegnung, Okt. 2006: Majok mit Baby Tuc   

Damals war Tuc noch ein Baby und klammerte sich ängstlich an seinen Bruder Majok. Scheu und voller Angst musterten die beiden uns CSI-Mitarbeiter. Ihre Geschichte griff uns ans Herz.

Auf der Flucht

Berittene Janjaweed-Milizen hatten die zwei Brüder mit ihrer Mutter Akur Yai aus dem Dorf Tibal vertrieben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kinder bereits vaterlos – mit schwarzafrikanischen Männern machen arabische Angreifer in Darfur meist kurzen Prozess. Akur schaffte es, einen Platz auf einem der Lastwagen zu ergattern, die von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gechartert worden waren.

Mit unzähligen anderen Vertriebenen erreichten die drei nach beschwerlicher Fahrt im Frühsommer 2006 die Stadt Aweil. Ein Mangobaum diente ihnen als erstes Zuhause. Die Stadt war völlig überfüllt von Flüchtlingen aus Darfur sowie von Rückkehrern. Letztere waren während des Bürgerkriegs in den Norden geflüchtet und kehrten nach Abschluss des Friedensabkommens (2005) in ihre Heimat zurück. In der überfüllten Stadt musste Akur um das Überleben ihrer Kinder kämpfen. Ungläubig beobachtete sie das bunte Treiben auf dem einheimischen Markt – überwältigend war das Angebot an Erdnüssen, Hirse, Speiseöl, Fleisch, Gemüse und Gewürzen aller Art. Doch ohne Geld gab es für Akur und ihre Kinder in Aweil keine Zukunft. Als die Lage wegen der vielen nachströmenden Menschen immer schlimmer wurde, kehrte Akur der Stadt den Rücken. Auf ihren Armen trug sie den Säugling Tuc, Majok lief mit einem Bündel Brennholz und einer Wasserflasche voraus.

Vom eigenen Zuhause erschlagen

Im Buschland weit vor den Toren der Stadt fanden die drei eine verlassene Hütte mit rissigen Lehmwänden und einem löchrigen Grasdach. Die armselige Bleibe sollte zur heimtückischen Falle werden. Ohne Vorwarnung ein plötzliches Knacken – dann stürzten mehrere von Termiten angefressene Dachbalken auf die Mutter und begruben sie unter sich. Verzweifelt und mit bloßen Händen versuchte Majok, sie aus den Trümmern zu befreien. Doch der Körper, den er unter dem Holz und den Lehmbrocken fand, war ohne Leben. Zwei Tage lang hockte Majok neben der Toten. Dann zwangen ihn die fortschreitende Verwesung der Leiche, das stundenlange Wimmern seines Bruders, Hunger und Durst zum Handeln. Majok trug das Baby Tuc den langen Weg zurück nach Aweil. Dort wurde ein einheimischer CSI-Mitarbeiter auf die beiden aufmerksam.

Gut aufgehoben

Der verängstigte Tuc mit Pflegemutter Sarah, Januar 2007 CSI  

Als wir den hilflosen Kindern im Oktober 2006 begegneten, brachten wir sie zum (anglikanischen) Pfarrer Matthew Garang von der sudanesischen Episkopalkirche. Mit ihm arbeiten wir seit langem zusammen und unterstützen ihn finanziell. Der Pfarrer nimmt jeweils auch die Kinder auf, die wir aus der Sklaverei befreien, deren Verwandte aber nicht ausfindig gemacht werden können. Pfarrer Tito Athian besorgte den beiden mit Sarah sogar eine Art Ersatzmutter. Hier sind sie gut aufgehoben.

Solche Erfolge ermutigen mich, weiterzufahren. CSI soll weiterhin dazu beitragen, die Not im Sudan zu lindern – einerseits, indem wir Sklaven befreien, andrerseits aber auch, indem wir Flüchtlingen und Hungernden helfen. Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

Autor: Gunnar Wiebalck


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