Startseite
Sitemap  

Land-Info 

zurück  

Ägypten

Geographische Angaben

Fläche

1'002'000 km²
2,8 mal so groß wie Deutschland (357'023 km²)

Einwohner

65,2 Mio
(Deutschland: 82,3 Mio)

Bevölkerungsdichte

65 Einwohner/km²
3,6 mal kleiner als in Deutschland (231)

Bruttosozialprodukt

1'989 EUR
15 mal tiefer als in Deutschland (30'628 EUR)

Religionsangehörigkeit

Kopten

  9.2%

Muslime

90%

Sonstige

  0.8%

Menschenrechte

Religionsfreiheit

Teilweise schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten


Behinderung von Kultus, Diakonie und Mission

Ägypten 

Land-Info 

Heirate und konvertiere!


Montag, 26. September 2011

Koptische Frauen werden hinterhältig zur Heirat mit muslimischen Männern und zum anschließenden Übertritt zum Islam gezwungen. Dies sind keine Einzelfälle, sagt CSI-Vorstandsmitglied Michele Clark.

Koptische Frauen: entführt und spurlos verschwunden   

Hanna (Name aus Sicherheitsgründen geändert) war mit einem muslimischen Mädchen in ihrer Nachbarschaft befreundet. Dieses machte Hanna mit ihrem Bruder bekannt. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und wurden Freunde. Eines Tages hatte das muslimische Mädchen etwas zu besorgen und ließ Hanna alleine mit ihrem Bruder zurück. Er nutzte die Situation aus und vergewaltigte sie. Aus Scham und Furcht, was ihre Familie sagen würde, ließ sich Hanna überzeugen, ihren Vergewaltiger zu heiraten und zum Islam zu konvertieren.

Christen sollen gehen

Michele A. Clark   

ah. Hanna ist nur eine von vielen Koptinnen, die gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam zu konvertieren. Michele A. Clark ist CSI-Vorstandsmitglied in den USA. Die anerkannte Menschenrechtsexpertin beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Problemen des internationalen Menschenhandels. Sie sieht im Vorgehen der Täter in Ägypten das immer gleiche Muster: Sie gewinnen das Vertrauen von koptischen jungen Frauen und missbrauchen dieses. Der Heirat folgt in der Regel nach wenigen Tagen die erzwungene Bekehrung zum Islam. Koptischen Frauen, die das Kreuz aufs Handgelenk tätowiert haben, wird dieses schmerzhaft entfernt:

Nach ihrer Zwangsheirat wurde Amira (Name aus Sicherheitsgründen geändert) vergewaltigt und geschlagen, weil sie sich weigerte, mit ihrem neuen Ehemann zu schlafen.

Das koptische Kreuz, das auf ihr Handgelenk tätowiert war und sie als Christin kennzeichnete, wurde mit Säure weggeätzt.

Zwangsheirat und Zwangskonversion – dieses heimtückische Vorgehen ist ein subtiles Mittel muslimischer Extremisten, um die christliche Minderheit in Ägypten einzuschüchtern. In Ägypten leben heute etwa acht Millionen Christen, 10 % der ägyptischen Bevölkerung. Seit dem Rücktritt Hosni Mubaraks haben die Entführungen massiv zugenommen. Die staatlichen Behörden stellen sich den Extremisten vielfach nicht mehr entgegen. Angesichts der bedrohlichen Atmosphäre wünschen sich viele Kopten, das Land zu verlassen. Ergeht es Ägypten so wie dem Irak? Dort ist der Exodus der christlichen Minderheit derzeit in vollem Gange.

Selber schuld?

Die jungen Koptinnen werden meistens nicht von Fremden zur Heirat und zur Konversion gezwungen, sondern von muslimischen Freunden, denen sie vertraut hatten. Wie ist das möglich? «Sie nutzen die Verletzlichkeit und Naivität der jungen koptischen Frauen aus», erklärte Michele Clark vor einem Ausschuss des US-Parlaments. Die Kopten sind in der ägyptischen Gesellschaft nicht gleichberechtigt. Viele sind arm. Muslimische Täter – das sind häufig auch Frauen – machen sich dies zunutze und locken die christlichen Frauen mit Geld. Zudem bieten sie ihnen oft eine (vermeintlich) heile Welt, in der sie ihre familiären Probleme hinter sich lassen können. Weiter stehen die Koptinnen, so Clark, unter einem Anpassungsdruck, den ihre muslimischen Kolleginnen in der Schule auf sie ausüben. Manche wollten dann einfach „so sein wie die andern“, dazugehören.

Sind die jungen Christinnen also selber schuld? Die Professorin für Menschenhandel stellt klar: Diese Vorfälle in Ägypten sind ein Paradebeispiel von Menschenhandel. Die Opfer werden getäuscht, in eine betrügerische Beziehung gelockt und dann ausgebeutet. Gemäß Artikel 3 des Uno-Zusatzprotokolls gegen Menschenhandel ist das Einverständnis eines Opfers von Menschenhandel irrelevant, wenn dabei Gewalt, Betrug oder Zwang im Spiel sind. Dass diese Elemente in den Beziehungen zwischen Muslimen und Koptinnen häufig vorhanden sind, hat Clark durch ihre eingehenden Untersuchungen vor Ort belegt.

Komplizenschaft der Behörden

Koptische Frauen, die unter Zwang heirateten und zum Islam konvertierten, können sich nur selten befreien. Oft werden sie nach ihrer Heirat von der Außenwelt völlig abgekapselt und dürfen das Haus alleine nicht mehr verlassen. Selbst der telefonische Kontakt mit ihren Angehörigen wird verboten.

Wenn es Frauen gelingt zu fliehen, können sie nicht länger bei ihrer Familie leben. Sie würden diese in Gefahr bringen. Für solche Frauen gibt es verschiedene Institutionen, in denen sie geschützt leben können. Vor einer Anzeige schrecken die Entflohenen meistens zurück. Sie fürchten um ihre Familie. Wagen sie es dennoch, nimmt die Polizei ihre Anzeige häufig nicht einmal auf oder lässt die Untersuchung im Sand verlaufen. Bei ihren Recherchen konnte Clark keinen einzigen Fall finden, in dem ein Täter verurteilt worden wäre.

Vor dem ägyptischen Staat gelten die zwangsbekehrten Koptinnen als Muslime. Auf ihren Wunsch, wieder den christlichen Glauben anzunehmen, gehen die Behörden nicht ein. Sie sind jetzt Musliminnen, und Musliminnen dürfen nicht konvertieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob man von Geburt an Muslim ist oder erst später – und erst noch unter Zwang! – konvertiert hat.

Was können Sie tun?

Was können Sie gegen das Unrecht tun? Informieren, meint Clark: „Je breiter das Thema in der Öffentlichkeit bekannt ist, desto leichter ist es für die Opfer, ihr Schweigen zu brechen, desto geringer ist die Scham.“ Diesen Informationsauftrag will CSI in Zukunft noch stärker wahrnehmen.

Im November 2009 erschien der von Michele Clark für CSI mitverfasste Bericht «Das Verschwinden, die Zwangsbekehrung und die Zwangsverheiratung von koptisch-christlichen Frauen in Ägypten». Der 42-seitige Bericht ist auf Englisch und auf Deutsch verfügbar. Gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag senden wir Ihnen gerne ein oder auch mehrere Exemplar/e zu. Sie können den Bericht auch gratis herunterladen und das Referat von Michele Clark und jenes von zwei weiteren Referenten sowie das Video der dreistündigen Anhörung anschauen.

Ägyptenbericht  

 Video  

 Referate 


Michele A. Clark
ist Vorstandsmitglied von CSI-USA. Sie ist Lehrbeauftragte an der George Washington University für Menschenhandel, Frauen in der Weltpolitik und zeitgenössische Dissidenten-Bewegungen. Am 22. Juli wurde Clark von der Helsinki-Kommission zum Schicksal der Koptinnen angehört. Diese Kommission besteht aus 18 US-Parlamentariern sowie aus drei hochrangigen Vertretern der US-Regierung.


Print-Version 

Ähnliche Themen (4/19)

Ägypten
Schule für 700 Kinder
23. Mai 2014
Islamisten zerstörten eine Franziskanerinnen-Schule. CSI hilft, damit der Unterricht wieder aufgenommen werden kann.
Ägypten
Der Tag, an dem die Kirchen brannten
Etwa 700 Schüler wurden in der alten Schule der Franziskanerinnen in Beni Suef unterrichtet. Am 14. August 2013 wurde die Schule zerstört. CSI besuchte die Schwestern, denen nichts blieb als die Kleider an ihrem Leib.
Ägypten
Unschuldiger stirbt nach 14 Jahren Haft
Shaiboub William Arsal war unter islamistischem Druck als Unschuldiger zu jahrelanger Haft verurteilt worden. Ende September 2013 starb er im Krankenhaus.
Ägypten
«Eine Schande für unsere Gesellschaft»
Nach dem Abschluss ihres Studiums floh die koptische Christin Nadia Ghaly 1974 von Ägypten nach Australien. Sie spricht öffentlich über das tabuisierte Verschwinden junger Koptinnen. Nadia Ghaly ist Koautorin zweier CSI-Berichte.
Alle anzeigen (19)

Neu diese Woche
CSI Aktuell Neu
CSI-Aktuell Archiv
CSI Aktuell 2014
CSI Aktuell 2013
CSI Aktuell 2012
CSI-Aktuell 2011
Glaubensverfolgte
Warum wir helfen
Völkermord
Weltweit
Christenverfolgung
Gebete f. verf Chris
Ägypten
Äthiopien
Algerien
Aserbaidschan
China
Deutschland
Europa
Indien
Indonesien
Irak
Iran
Kasachstan
Kuba
Libyen
Marokko
Naher Osten
Nigeria
Pakistan
Peru
Saudi-Arabien
Sri Lanka
Südsudan
Syrien
USA/Südsudan
Tansania/Sansibar
Türkei
Turkmenistan
Usbekistan
Vietnam
30 Jahre für Religi
Menschenrechtserkl.
Ferien/Religionsfr.
Protestaktionen
Notleidende Kinder
Warum wir helfen
Ägypten
Lettland
Peru_Lebensaufgabe
Nicaragua
Rumänien
Katastrophenhilfe
Warum wir helfen
Länderberichte
Malediven
Sudan
Indien
Medien
Aktuelle Berichte
Berichte 2008/09
CSI-Weltkarte
Europa
Asien West
Asien Ost
Afrika
Amerika
Erläuterungen
CSI-Newsletter
Handeln
Newsletter Info
Spenden
Protestieren
Gebetsanliegen d. Tages
Warum CSI?
Geschichte
International
Menschenrechte
Weitere CSI-Sites
Internationale Vertretung
CSI-Referate
H. Stückelberger
S. Falaki
Andere
Kontakt
Adressen / E-Mail
Spendenkonto

Site-Suche

Lettland
In widrigen Umständen die Hoffnung nicht aufgegeben

CSI ist eine christliche Menschenrechtsorganisation
für Religionsfreiheit
und Menschenwürde.